Beschreibung
René Victor Auberjonois wurde 1872 in eine wohlhabende Familie hineingeboren und konnte sich bis zum Tod seiner Mutter (1929) ohne finanzielle Sorgen seiner künstlerischen Laufbahn widmen. Nach Aufenthalten in London und Dresden, die auch dem Studium der Violine gewidmet waren, entschied er sich für die Malerei und zog 1896 nach Paris, um bei Olivier Merson (1846–1920) Unterricht zu nehmen. 1914 kehrte er in die Schweiz zurück und liess sich in Lausanne nieder. Er lebte zurückgezogen und fand wenig Anerkennung. Unter seinen Freunden befanden sich vor allem Schriftsteller wie Charles-Ferdinand Ramuz oder Gustave Roud und Musiker wie der Komponist Igor Strawinsky oder der Dirigent Ernest Ansermet; von den Zirkeln der Maler und Bildhauer hielt er sich fern. Der Bildbau von Auberjonois beruht auf einer rigorosen Vereinfachung des Raums und des Ausdrucks, das anfänglich stark buntfarbige Kolorit entwickelte sich immer mehr zu einer auf wenige Töne reduzierten, dunkeltonigen Farbgebung. Auberjonois ging von den Vorbildern Cézanne und Modigliani aus und liess sein Werk langsam reifen. Anerkennung fand er zunächst bei privaten Sammlern aus der Deutschschweiz, zu den Käufern seiner Werke gehörte seit den frühen 1920er Jahren auch die Eidgenossenschaft. 1942 richtete ihm das Kunstmuseum Winterthur eine Retrospektive ein, 1948 vertrat er mit drei weiteren Malern die Schweiz an der Biennale von Venedig, 1955 nahm er mit seinen Bildern an der ersten Documenta in Kassel teil.
Der Künstler hatte 1905 in Paris Freundschaft mit dem Walliser Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz geschlossen. Sein Alter Ego wurde von Auberjonois verschiedentlich porträtiert, hier mitten in einer ländlichen Umgebung, neben einem jungen Ziegenhirten mit seiner Herde. Für den Maler war das Porträt ein willkommener Anlass, um eine Landschaft im Wallis darzustellen, zu der er sich stark hingezogen fühlte und die ihn inspirierte. Das Porträt war 1920 entstanden und wohl 1947, beim Tod von Ramuz, überarbeitet worden. Das Gemälde war Teil der Schenkung des Berner Sammlers Arnold Schuler an die Schweizerische Eidgenossenschaft im Jahr 1967 und ist im Werkkatalog des Künstlers unter der Nummer 744 erfasst.
2016/Ingrid Dubach-Lemainque//Übersetzung: BAK LING
Provenienz
René Auberjonois, Lausanne/VD (vers 1920–?); Dr. Arnold Schuler, Muri/BE (?–1967); Dr. Marguerite Schuler, Muri/BE (1967); Confédération suisse.
Source: Archives des Collections d'art de la Confédération, Berne