Description
Rudolf Koller, 1828 in Zürich geboren, begab sich 1845 nach Stuttgart, um im Marstall von Wilhelm I. von Baden-Württemberg Pferde zu zeichnen. Er setzte seine Ausbildung bis 1847 an der Kunstakademie von Düsseldorf fort, wo er Freundschaft mit Arnold Böcklin schloss. Auf seinen Studienreisen kopierte er Werke der niederländischen Malerei des Goldenen Zeitalters und Tierbilder von zeitgenössischen französischen Malern. Er kaufte sich 1862 einen Bauernhof am Zürichhorn, um Tiere aufzuziehen und zu malen. Das malerische Werk von Koller, der zu den Begründern eines Schweizer Realismus zählt, ist gekennzeichnet durch die en plein air (im Freien) entstandenen Landschaften sowie durch eine Darstellung von Tieren, die nicht nur anatomisch ausserordentlich genau, sondern auch mit ihren individuellen Zügen wiedergegeben sind. Zu den Freunden, mit denen er regelmässig Kontakt hatte, gehörten der Landschaftsmaler Robert Zünd (1827–1909), der Schriftsteller Gottfried Keller (1819–1890) und der Historiker Jacob Burckhardt (1818–1897). Von 1894 bis 1897 war er Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission. 1898, zu seinem siebzigsten Geburtstag, verlieh ihm die Universität der Stadt Zürich den Ehrendoktor und das Kunsthaus organisierte eine Retrospektive mit seinen Werken.
Das kleinformatige Bild in Öl auf Leinwand entstand als vorbereitende Studie zum repräsentativen Gemälde der Gotthard-Post von 1873. Die Ölskizze zeigt ein Gespann aus drei weissen und zwei braunen Pferden im Galopp, die eine Postkutsche ziehen. Im Vordergrund ist ein Kalb zu sehen, das vor dem herannahenden Gefährt Reissaus nimmt, der Hintergrund zeigt die felsige Landschaft des Gotthardpasses. Trotz der summarischen, mit kurzen Pinselstrichen hingeworfenen Malweise (besonders ausgeprägt bei der Wiedergabe der Kühe), erreichte es der Künstler, die Dynamik und das Getöse glaubhaft in einer auf Diagonalen aufgebauten Bildkomposition darzustellen. Das ausgeführte Werk war für Alfred Escher, den geistigen Vater der Eisenbahnverbindung über den Gotthard, bestimmt. Das bei Koller bestellte Werk wurde ihm von der Nordostbahn-Gesellschaft überreicht, als er von seinem Amt als ihr Präsident zurücktrat. Das Bild ist eine Hommage an den historischen Gotthardpass, der durch die neue Eisenbahnlinie nach und nach seine Bedeutung verlor.
2018/Misia Bernasconi//Übersetzung: BAK
Provenance
Rudolf Koller, Zürich (1873–?); Iwan von Tschudi–Forrer, St. Gallen (?–1887); Alphonsine von Tschudi-Forrer, St. Gallen (1887–1896); Schweizerische Eidgenossenschaft.
Quelle: Archiv der Kunstsammlungen des Bundes, Bern